Sport und Rechtsextremismus

Sport ist in Deutsch­land eine der beliebtesten Freizeitbeschäf­ti­gun­gen. Allein im Deutschen Fußball­bund sind fast sieben Mil­lio­nen Men­schen Mit­glied. Da recht­es Gedankengut, wie viele Stu­di­en bele­gen – Experten gehen von zehn Prozent der Bevölkerung aus — fest in der Mitte unser­er Gesellschaft ver­ankert ist, liegt die Ver­mu­tung nahe, dass man recht­sex­treme Ten­den­zen auch im Sport find­et.

Schon die Nation­al­sozial­is­ten unter Adolf Hitler haben den Sport für ihre Zwecke miss­braucht. Parade­beispiel hier­für sind die Olymp­is­chen Som­mer­spiele des Jahres 1936 in Berlin. Die nation­al­sozial­is­tis­che Dik­tatur in Deutsch­land (1933 bis 1945) präsen­tierte sich bei den Olymp­is­chen Spie­len der Weltöf­fentlichkeit als ein mod­ernes und tol­er­antes Land. Damit soll­ten die aufk­om­menden neg­a­tiv­en Schlagzeilen der begin­nen­den Jugend­ver­fol­gung sowie der anderen Ver­brechen der Dik­tatur rel­a­tiviert wer­den. Zudem wurde Adolf Hitler als Dik­ta­tor vor Mil­lio­nen von Zuschauern pos­i­tiv in Szene geset­zt. Die öffentliche Wahrnehmung von Deutsch­land auf inter­na­tionaler Ebene hat sich durch die Spiele verbessert.

In der heuti­gen Zeit wird der Sport auch von Nazis immer noch für ihre Zwecke genutzt. Neben dem direk­ten zur Schau stellen der recht­sex­tremen Gesin­nung im Sta­dion, beispiel­sweise durch Fußball­spiel­er, Fangesänge oder Ban­ner, ver­suchen Recht­sex­treme zunehmend, Sportvere­ine zu unter­wan­dern. Sie engagieren sich in Vorstän­den oder als Helfer und fassen so Fuß in den Vere­inen. Dabei treten sie zunächst nicht als Recht­sex­treme auf, son­dern als nor­male und zuver­läs­sige Bürg­erin­nen und Bürg­er, die sich selb­st­los für andere ein­set­zen. Erst wenn sie im Vere­in ver­ankert sind, mis­chen sie sich offen mit ihrer Mei­n­ung in Gespräche und Diskus­sio­nen ein. Dieses Phänomen hat auch der Deutsche Olymp­is­che Sport­bund erkan­nt und für Vere­ine eine Broschüre mit dem Titel “Kein Raum und kein Platz für Anti­demokrat­en – nicht auf dem Spielfeld, nicht auf den Zuschauer­rän­gen, nicht in den Sporthallen und auch nicht in den Köpfen!” zu diesem Prob­lem her­aus­gegeben. Den Ver­bän­den ging es ins­beson­dere darum, ein unmissver­ständlich­es Zeichen gegen Recht­sex­trem­is­mus im Sport zu set­zen. Dies sollte sich expliz­it auf recht­sex­tremes Gedankengut in den Köpfen von Ver­ant­wortlichen in den Vere­inen beziehen. Meist nehmen Ver­bände auch an den „Inter­na­tionalen Wochen gegen Ras­sis­mus“ teil, um für das The­ma zu sen­si­bil­isieren.

Aber der offene Umgang Recht­sradikaler mit ihrer Gesin­nung ist ein Prob­lem im Sport, ein Beispiel: Fußball ist bekan­ntlich die beliebteste Sportart der Deutschen und bringt jedes Woch­enende Mil­lio­nen von Men­schen in die Sta­di­en. Hier haben Recht­sex­trem­is­ten also die Möglichkeit, ihre Ideen und Vorstel­lun­gen einem bre­it­en Pub­likum zu präsen­tieren. Es kommt immer wieder vor, dass Recht­sex­trem­is­ten dieses Forum auch aktiv nutzen. Dies kann beispiel­sweise durch ver­schmähende Sprechgesänge oder Verteilak­tio­nen von Pro­pa­gan­da im Sta­dion geschehen. Viele Recht­sex­trem­is­ten engagieren sich auch in der Fan­szene, um für ihre Ideen oder gar neue Mit­glieder für ihre Parteien oder Organ­i­sa­tio­nen zu wer­ben. Ein Fall aus dem Saar­land ist dabei beson­ders prekär. Am 09. Novem­ber 2013, also 75 Jahre nach der Reich­s­pogrom­nacht (Zer­störung jüdis­ch­er Ein­rich­tun­gen, wie z.B. Syn­a­gogen oder Geschäfte, durch Nazis), hat der 1. FC Saar­brück­en ein Fan­pro­jekt aus­geze­ich­net. Auf dem Bild der Geehrten war auch ein bekan­nter Recht­sex­tremer mit ein­deutiger Bek­lei­dung, die auf die Gesin­nung hin­weisen kon­nte, aus der saar­ländis­chen Szene zu sehen. Der 1. FC Saar­brück­en reagierte sofort und machte die Ehrung wenige Tage später rück­gängig. Auch das betrof­fene Fan­pro­jekt schloss sein recht­sradikales Mit­glied nach dem Vor­fall aus. Es zeigt sich also, dass eine direk­te Reak­tion auf solche Vor­fälle bess­er ist, als das Phänomen tot zu schweigen. Der Ver­fas­sungss­chutz geht im Übri­gen davon aus, dass es rund 30 Recht­sradikale in der gewalt­bere­it­en saar­ländis­chen Fußball­szene gibt, ein enormes Poten­tial für ein solch kleines Bun­des­land. Weit­ere Prob­leme mit gewalt­bere­it­en Fans aus dem recht­sex­tremen Lager haben nach Mei­n­ung viel­er vor allem Fußball­clubs aus Ost­deutsch­land. Beispiel­sweise sind Clubs wie Dynamo Dres­den oder 1. FC Lok Leipzig davon betrof­fen. Dies ist für die Ver­ant­wortlichen in den Vere­inen meist eine schwierige Sit­u­a­tion, da das Anse­hen darunter mas­siv lei­det. Ein Gegen­s­teuern gegen solche Ten­den­zen wirkt oft wie ein aus­sicht­slos­er Kampf. Unter­schätzt wer­den soll­ten Recht­sradikale „Extrem­fans“ jedoch nicht, denn in der gewalt­bere­it­en Fußball­szene kön­nen sie andere mobil­isieren und ihr Gedankengut ungestört ver­bre­it­en.

Wer sich zum The­ma weit­er informieren möchte, kann sich an das Fan­pro­jekt des 1. FC Saar­brück­en wen­den:

Innwurf – Fankon­tak­t­stelle Saar­brück­en
bei der Arbeit­er­wohlfahrt SPN Lan­desver­band Saar­land
Ziegel­straße 23
66113 Saar­brück­en
Tele­fon 0681/9892725
www.innwurf.de

Ein Projekt der Jungen Journalisten Saar e.V.