Im Dritten Reich war alles besser

Mythen des Nazi-Regimes

Sel­ten hat sich eine NS- Pro­pa­gan­da so hart­näck­ig in den Köpfen der Leute gehal­ten wie die Behaup­tung, Hitler sei der Erste gewe­sen, der die Auto­bah­nen gebaut und so die Masse­nar­beit­slosigkeit der vor­ange­gan­genen Weimar­er Repub­lik beseit­igt hätte. Die Wahrheit ist allerd­ings eine andere: In Wirk­lichkeit waren nur einige zehn­tausend Arbeit­er am Bau beteiligt und eine Auto­bahn existierte schon vor 1933.

Die Über­legun­gen erste getren­nte, mehrstreifige Fahrbah­nen zu bauen, die nur von Autos befahren wer­den dür­fen, entste­hen auf­grund der ras­an­ten Entwick­lung des Verkehrs in den 20er Jahren und den daraus resul­tieren­den Prob­le­men schon viel früher.  So kam es, dass bere­its am 6. August 1932 die erste “Straße der Zukun­ft” zwis­chen Köln und Bonn von dem dama­li­gen Ober­bürg­er­meis­ter und späteren ersten Bun­deskan­zler Kon­rad Ade­nauer feier­lich eröffnet wurde. Erst ein Jahr später, am 23. Sep­tem­ber 1933, set­zte Hitler ersten Spaten­stich für die “Reich­sauto­bahn”, die die Städte Frank­furt, Darm­stadt, Mannheim und Hei­del­berg miteinan­der ver­band. Mit riesigem Pro­pa­gan­da-Getöse wurde Hitler als der Erfind­er und erste Bauherr der bahn­brechen­den “Neuheit” gefeiert.

Eben­so uner­schüt­ter­lich hält sich in diesem Zusam­men­hang der Mythos, dass Hitler und sein Regime dem deutschen Volk nach der Weltwirtschaft­skrise wieder aus der Arbeit­slosigkeit her­aus geholfen haben soll und dies nicht zulet­zt durch den Bau der Auto­bah­nen. Tat­sache ist, dass durch die Weltwirtschaft­skrise zwar die bre­ite Bevölkerungs­masse ihre Arbeit ver­loren hat­te, wovon die Nation­al­sozial­is­ten bei den Wahlen prof­i­tierten, die Wirtschaft sich jedoch bere­its vor der Machter­grei­fung der Nation­al­sozial­is­ten im Herb­st 1932 anf­ing zu erholen. Auch das Arbeits­beschaf­fung­spro­gramm, dass sich die NS- Regierung gerne auf ihre Fahne schreibt, stammt aus der Weimar­er Repub­lik. So hat­te bere­its der let­zte Reich­skan­zler, Kurt Schle­ich­er, die Absicht mit diesem Konzept die Arbeit­slosigkeit zu beseit­i­gen. Vor allem der immer wieder ange­führte Bau der Reich­sauto­bah­nen spielt sta­tis­tisch gese­hen eine unbe­deu­tende Rolle. Vielmehr kann der Rück­gang der Arbeit­slosigkeit der drastis­chen Aufrüs­tung der Reich­swehr zugeschrieben wer­den, wofür die Nazis damals viel mehr Geld aus­gegeben haben, als der Staat eigentlich zur Ver­fü­gung hat­te.  So macht­en die Rüs­tungsaus­gaben 1932/33 nur 7,5 Prozent des Reichshaushalts aus. 1938/39 waren es bere­its 60 Prozent. Ohne den Aus­bruch des Krieges hätte Deutsch­land der Staats­bankrott gedro­ht.

Auch die “Volks­ge­mein­schaft”, die den Gege­nen­twurf der Klas­sen­ge­sellschaft darstellen sollte, war eher eine Utopie als Real­ität. Hierzu zählt auch der Irrglaube, dass Frauen im Drit­ten Reich hoch geschätzt waren. Die Nation­al­sozial­is­ten kon­stru­ierten einen regel­recht­en Kult um die “deutschen Müt­ter”, was beispiel­sweise durch den Mut­tertag als öffentlich­er Feiertag und die Ver­lei­hung des “Ehrenkreuz der deutschen Mut­ter” an Müt­ter mit min­destens vier Kindern zum Aus­druck gebracht wurde. Ins­ge­samt wur­den 4,7 Mil­lio­nen Mut­terkreuze in Bronze, Sil­ber und Gold ver­liehen. Allerd­ings war die Haup­tauf­gabe der deutschen Frauen möglichst viele Kinder zur Welt zu brin­gen, um das Über­leben  der “arischen Rasse” zu gewährleis­ten. Zudem soll­ten die Söhne für den “Führer” in den Krieg ziehen. Um ihrer Mut­ter­rolle gerecht wer­den zu kön­nen, mussten Frauen aus ihren Berufen auss­chei­den, was zugle­ich Arbeit­splätze für arbeit­slose Män­ner schaffte. Dies wurde nicht nur durch Pro­pa­gan­da, son­dern auch durch Geset­zte erre­icht, die die Frauen im Arbeit­sleben benachteiligten. Diese Strate­gie kon­nten die Nation­al­sozial­is­ten jedoch nicht auf Dauer durch­hal­ten, da für die mil­itärische Aufrüs­tung im Laufe der Zeit immer mehr Arbeit­skräfte benötigt wur­den und der Staat so wieder auf die Arbeit­skraft der Frauen angewiesen war. Auch die gerin­gen Mit­gliederzahlen der Frauen in der Partei selb­st zeigen die geringe Bedeu­tung, die den Frauen beigemessen wurde. So waren 1933 etwa nur fünf Prozent der Mit­glieder der NSDAP Frauen.

Ein weit­eres Argu­ment, das immer wieder gerne her­vorge­bracht wird, um zu zeigen, dass während der nation­al­sozial­is­tis­chen Herrschaft nicht alles schlecht war, ist, dass es während des nation­al­sozial­is­tis­chen Regimes nur wenig Krim­i­nal­ität in Deutsch­land herrschte. Allerd­ings zeich­net die amtliche Krim­i­nal­sta­tis­tik ein anderes Bild, denn Delik­te wie beispiel­sweise Mord und Totschlag oder Dieb­stahl und Raub erhöht­en sich deut­lich ab 1939. Hinzu kommt, dass die Nation­al­sozial­is­ten Deutsch­land in einen Polizeis­taat umformten, der seine Bürg­er durch Insti­tu­tio­nen wie die Polizei oder Gestapo stark überwachte. Die Gewalt ging also während des  Drit­ten Reich­es über­wiegend vom Staat aus, was dazu führte, dass sich die Men­schen in Deutsch­land ein­er größeren Gewalt aus­ge­set­zt sahen als noch vor der Machter­grei­fung der Nazis. Wer sich dem Regime nicht fügte, kon­nte leicht in einem Konzen­tra­tionslager enden, was die meis­ten Insassen nicht über­lebten.

Ein Projekt der Jungen Journalisten Saar e.V.