Die Grundlage unserer Gesellschaft: Ein Buch?!

Mit größter Freude nehme ich an unserem Rechtsstaat teil und genieße meine Grun­drechte in vollen Zügen. Wenn ich eine Mei­n­ung äußern möchte, dann kann ich dies tun. Wenn ich den Drang ver­spüre mor­gen eine Bäck­er­lehre zu machen, dann kann ich dies tun. Wenn ich mich akademisch weit­er­bilden möchte, dann kann ich diese Tätigkeit eben­so ausüben. Wenn ich die Frei­heit mein­er Per­son in Gefahr sehe, dann kann ich mich wehren. Wenn mich jemand zu etwas zwin­gen möchte, dann kann ich mich wehren. Wenn ich mich wegen meines Geschlecht­es, mein­er Abstam­mung, mein­er Sprache oder mein­er Reli­gion benachteiligt füh­le, dann kann ich mich wehren. Freudig erregt blät­tere ich durch mein Lieblings­buch „Grundge­setz für die Bun­desre­pub­lik Deutsch­land“ und stelle mir vor, was ich mit meinen Recht­en alles anfan­gen kön­nte. Ich kön­nte mal wieder einen Brief schreiben, denke ich mir, denn ich kann schreiben, was ich möchte und da das Briefge­heim­nis (Art.10 GG) gilt, dürfte keine Per­son für den der Brief nicht bes­timmt ist, in meine Pri­vat­sphäre ein­greifen und ihn ein­fach lesen! Ist das nicht unglaublich?!

Unglaublich? Jet­zt mal im Ernst: Nie­mand, der in der heuti­gen Zeit  in der Bun­desre­pub­lik Deutsch­land aufgewach­sen ist, würde so denken.  Seit dem 23. Mai 1949 gel­ten diese Grun­drechte. Sie sind Grund­lage unser­er Gemein­schaft und ermöglichen uns ein selb­st­ständi­ges und sor­gen­freieres Leben. Für uns sind sie Selb­stver­ständlichkeit. All­t­ag. Und so sollte es auch auf der ganzen Welt sein. Aber nur weil sie uns ein sor­gen­los­es Leben ermöglichen, heißt es nicht, dass wir uns auch gedanken­los, ver­steckt hin­ter unser­er rosaroten Brille,  ein schönes Leben machen soll­ten, ohne auch nur ein­mal daran zu denken, dass diese „Selb­stver­ständlichkeit“ gar nicht so selb­stver­ständlich ist.

Die krasse Real­ität: Fast ein Vier­tel aller Län­der unser­er Erde (= 45 von 193 Län­dern) leben unfrei in ein­er Dik­tatur. Dort gel­ten keine Rechte für das Indi­vidu­um, unmen­schliche Haftbe­din­gun­gen, richter­liche Willkür, Todesstrafe und keine Exis­tenz von Mei­n­ungs-, Rede-, oder Presse­frei­heit. Sowohl Väter und Müt­ter, als auch Kinder wer­den getötet.  Träume haben keinen Platz und  es gibt wed­er eine Ini­tia­tive, noch ein Recht, das einem hil­ft, wie zum Beispiel das „Recht auf Leben und  kör­per­liche Unversehrtheit“ (Art.2,  Abs.2  GG). Folterun­gen und Hin­rich­tun­gen sind an der Tage­sor­d­nung. Es gibt 14 Dik­taturen in Zen­tral-, und Südafri­ka, elf in Nordafri­ka und im Mit­tleren Osten, elf in Asien und sieben in Osteu­ropa und der ehe­ma­li­gen Sow­je­tu­nion. Aktuell in den Medi­en wird von den Men­schen in eini­gen Teilen des Nahen Ostens berichtet, die um Grun­drechte und Frei­heit­en kämpfen.

Aber auch in Deutsch­land war nicht immer Friede, Freude, Eierkuchen. Auch wir, also unsere Vor­fahren, mussten um unsere Rechte kämpfen. Ein klein­er Exkurs in die deutsche Geschichte:
Begin­nen wir 1914. Der erste Weltkrieg hat begonnen und in Deutsch­land herrscht eine „anfängliche Kriegs­begeis­terung“. Und da wir Erfolge im Osten haben kommt die OHL (Ober­ste Heeresleitung) an die Macht und wir haben eine Dik­tatur durch Hin­den­burg und Luden­dorf. Doch nach­dem der Krieg zwei Jahre tobte, war von der vorheri­gen Kriegs­begeis­terung nichts mehr übrig. Die Sol­dat­en, die in den Krieg gezo­gen sind, ver­schmelzen zu ein­er großen „Kriegs­maschiner­ie“ und wer­den durch das Ver­sprühen von Gift­gas getötet. Im April 1917 wurde die Kriegslage durch den Ein­tritt der USA aus­sicht­s­los, was dazu führte, dass 1918 (Kriegsende) zunächst eine par­la­men­tarische Monar­chie einge­führt und dann durch die „Novem­ber­rev­o­lu­tion“  die Repub­lik aus­gerufen wird. Die Weimar­er Ver­fas­sung garantierte erst­mals Grun­drechte für Frauen und Män­ner in ganz Deutsch­land.

Allerd­ings kon­nte die gesamte Ver­fas­sung, also auch der Grun­drecht­steil, per Gesetz des Par­la­mentes oder Not­befug­nis des Präsi­den­ten geän­dert oder außer Kraft geset­zt wer­den. Durch diesen Schwach­punkt und andere Ein­flüsse gelang es dann 1933 Adolf Hitler die Macht zu ergreifen und 1934 eine Dik­tatur zu erricht­en, in der keine Rechte für das Indi­vidu­um, unmen­schliche Haftbe­din­gun­gen, richter­liche Willkür, Todesstrafe und keine Exis­tenz von Mei­n­ungs-, Rede-, oder Presse­frei­heit gel­ten. Also herrscht­en in unserem Land vor weniger als hun­dert Jahren gle­iche Ver­hält­nisse wie heute in fast einem Vier­tel der Welt! Aber wir soll­ten das Glück haben, dass der von Hitler geführte Zweite Weltkrieg ver­loren wurde und uns die west­lichen Großmächte ermöglicht­en, selb­st­ständig auf demokratis­ch­er Basis eine Ver­fas­sung und das „Grundge­setz für die Bun­desre­pub­lik Deutsch­land“ zu ver­fassen und auch das seit 1989 die ehe­ma­lige DDR zu der BRD gehört.

Wenn ich etwas aus unser­er Geschichte gel­ernt habe, dann kann ich dies nur aus „unserem Lieblings­buch“ zitieren. Artikel 1, Absatz 2 :
„Das Deutsche Volk beken­nt sich darum zu unver­let­zlichen und unveräußer­lichen Men­schen­recht­en als Grund­lage jed­er men­schlichen Gemein­schaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“

Ein Projekt der Jungen Journalisten Saar e.V.