Salafismus

Seit einigen Jahren ist Salafismus in aller Munde. Er gilt als die am schnellsten wachsende und dynamischste Form des Islamismus. Diese Entwicklung lässt sich in Deutschland als auch international beobachten. So machten etwa deutsche Salafisten mit ihrer im Jahr 2011 gestarteten Koranverteilungskampagne „Lies!“ auf sich aufmerksam, die in der Politik und den Medien große Kontroversen auslöste. Berühmte Prediger wie Pierre Vogel erfreuen sich eines großen Zulaufs junger Menschen. Zudem gewinnen salafistische Gruppen in der arabischen Welt seit dem arabischen Frühling immer mehr an Bedeutung. Der Kurs der Salafisten wird in Europa immer extremistischer und radikaler. So haben sich auch viele deutsche Jungendliche dem bewaffneten Kampf des Islamischen Staates in Syrien angeschlossen. Wer aber sind die Salafisten über die in letzter Zeit so viel gesprochen wird?

Ziele und Ideologie

Ziel der Salafisten ist es, die ursprüngliche Form des Islam und die Kultur, wie sie im 7. und 8. Jahrhundert in den Städten Medina und Mekka praktiziert wurde, wieder einzuführen. Die Anhänger dieser Strömung sind sunnitische Muslime, die sich selbst als die Vertreter des einzig wahren und unverfälschten Islam sehen. Sie praktizieren den Islam in seiner Urform und legen hierzu den Koran wörtlich aus. Nach Auffassung der Salafisten ist jeder als Teil der Gesellschaft dazu verpflichtet, nach den Geboten und Verboten des Korans und der Sunna (Prophetentradition) zu leben. Alle von Menschen gemachten Gesetze lehnen sie ab. Deshalb unterscheiden die salafistischen Anhänger streng zwischen Gläubigen und Ungläubigen. Hierbei unterscheiden sie nicht nur zwischen den anderen Religionen, sondern grenzen sich auch von anderen „nichtgläubigen“ Muslimen ab. So wenden sich die Salafisten etwa von Islamisten ab, die an Wahlen teilnehmen, um dadurch Einfluss auf politische Prozesse zu bekommen. Dies würde der ursprünglichen Lehre des Islams widersprechen. Außerdem sind sie den Schiiten gegenüber feindlich gesinnt.

Bei ihren Missionierungsbestrebungen orientieren sich die Salafisten an den „frommen Altvorderen“ (as-salaf as-salih), den Gefolgsleuten des Propheten Mohammed und den zwei darauffolgenden Generationen. Aufgrund der zeitlichen und räumlichen Nähe zum Propheten lebten sie ein Leben, das in besonderem Maße den gottgegebenen Vorstellungen entsprach. Sie praktizierten den Islam in seiner reinsten Form. Die heutigen Salafisten ahmen diese Gefährten Mohammeds nach, was etwa ihre bescheidene Kleidung und die typischen Bärte erklärt.

Von Puristen, dschihadistischen und politischen Salafisten

Innerhalb des Salafimus unterscheidet man zwischen verschiedenen Strömungen. Die erste Gruppe bilden die Puristen, die die Mehrheit der salafistischen Anhänger vertreten. Sie sind nicht gewaltbereit und stehen für eine Islamisierung der Gesellschaft von unten. Im Vordergrund steht die Lehre des Islam. Wichtigster Vertreter dieser Bewegung ist Nasir ad-Din al-Albani (1914-1999). Es ging ihm hauptsächlich darum, durch seine Forschungsarbeit ein möglichst genaues Bild des Islam der Frühzeit nachzuzeichnen. Dies sollte es der Gesellschaft erleichtern, ein gottgefälliges Leben zu führen. Im Mittelpunkt steht die gottkonforme Lebensweise und die reine Lehre des Islam. So distanzieren sie sich von gewaltbereiten salafistischen Gruppierungen.

Die zweite Gruppe bilden die dschihadistischen Salafisten. Diese Strömung entstand in Afghanistan im Kampf gegen die Sowjetunion und führen im Namen Gottes einen gewalttätigen Kampf gegen die Ungläubigen und gegen verfeindete Regierungen. Ihre schrecklichen Verbrechen sind in den Medien sehr präsent, obwohl sie die Minderheit der Salafisten vertreten. Ziel der dschihadistischen Salafisten ist das Errichten eines wahren islamischen Staates und die damit einhergehende Erneuerung der Gesellschaft, einer islamischen Gesellschaft. Der Heilige Krieg ist der Weg zum Ziel. Zwar sind nicht alle Salafisten Dschihadisten, aber beide Strömungen sind seit einigen Jahren stark miteinander verankert. Sie lassen sich in drei Untergruppen einteilen: die Nationalisten, die klassischen Internationalisten und die Antiwestlichen Internationalisten. Erstere lehnen sich gegen das Regime in ihrer Heimat auf, wohingegend die klassischen Internationalisten für die Freiheit der besetzten muslimischen Gebiete kämpfen. Die Antiwestlichen Internationalisten stehen für den Kampf gegen die westliche Welt, insbesondere gegen die USA. Zurückzuführen ist diese Ausprägung auf das enge Bündnis zwischen Saudi-Arabien und den USA, gegen das sich die Dschihadisten auflehnen. Bekanntester Verfechter der Antiwestlichen Internationalisten ist die al-Qaida.

Die letzte Gruppe bilden die politischen Salafisten, deren Ziel die Einführung der Sharia auf politischer Ebene darstellt. Sie wollen einen islamischen Staat, wobei sie darauf Wert legen, dass der Islam nach den salafistischen Ansichten ausgelegt wird. Im Gegensatz zu anderen islamistischen Gruppierungen nehmen sie teilweise an Wahlen teil, um über diesen Weg Einfluss auszuüben. Jedoch lehnen sie Gewalt nicht immer ab, wenn es um das Erreichen ihrer politischen Ziele geht. In muslimischen Ländern, die nicht von Muslimen regiert oder verwaltet werden, befürworten sie den Kampf gegen das Regime.

Gefahren des Salafismus

Wie oben bereits erwähnt, ist der Salafismus die am schnellsten wachsende radikale Strömung des Islam. Aufgrund ihrer Ideologie, ihren rückwärtsgewandten Vorstellungen des gesellschaftlichen Lebens und der Sharia als Rechtsordnung stellen die Salafisten eine Gefahr für die demokratische Grundordnung dar. Nach salafistischer Auffassung widerspricht die moderne westliche Lebensweise den Lehren des Islam. Nach Einschätzungen des Innenministeriums hätte wohl kaum ein Grundrecht in einer von den Salafisten propagierten Gesellschaft noch Bestand. Zwar ist nur eine Minderheit der salafistischen Gruppen zu Gewalttaten bereit, aber die salafistische Ideologie kann einen „Nährboden für den islamischen Terrorismus“ bieten. Das Problem mit der salafistischen Szene hierzulande ist, dass die meisten radikalen Islamisten, die sich dem IS angeschlossen haben, um in den heiligen Krieg zu ziehen, einer salafistischen Gruppe angehören. So sagte der ehemalige Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm: „Nicht jeder Salafist ist ein Terrorist, aber jeder uns bekannte Terrorist war irgendwann einmal in salafistischen Zusammenhängen unterwegs.“ Die salafistische Szene wird seit einigen Jahren vom Verfassungsschutz beobachtet. Jedoch profitieren die Salafisten bei ihren Veranstaltungen und Predigten von der Religionsfreiheit und dem Vereinsrecht. Informationsveranstaltungen etwa können die Gemeinden nur im Falle von verfassungsfeindlichen Äußerungen verbieten. Die Salafisten wissen dies und gehen sehr geschickt vor. Sie wissen, was sie sagen dürfen ohne sich strafbar zu machen.

Deswegen ist Aufklärung ein wichtiger Ansatz im Kampf gegen salafistische Gruppierungen. Besonders junge Menschen müssen vor der salafistischen Propaganda geschützt werden.

Ein Projekt der Jungen Journalisten Saar e.V.