Islamistische Organisationen

Der Islamis­mus hat unzäh­lige Aus­prä­gun­gen und Strö­mungen, die in ver­schiede­nen islamistis­chen Organ­i­sa­tio­nen struk­turi­ert sind. Einige dieser Organ­i­sa­tio­nen möcht­en wir aufzeigen.

Al-Qaida

Die al-Qai­da (ara­bisch: al-qāʿi­da, „Fun­da­ment, Basis“) ist 1988 während des afghanis­chen Krieges gegen die Sow­je­tu­nion ent­standen und vor allem für ihre Gewalt­bere­itschaft und Anschläge gegen die west­liche Welt bekan­nt. Die Organ­i­sa­tion zielt darauf ab, den ver­fein­de­ten West­en zu bekämpfen und einen Gottesstaat zu erricht­en. Sie ist glob­al ver­net­zt und hat unzäh­lige ter­ror­is­tis­che Anschläge mit zahlre­ichen zivilen Opfern verübt. Sie ist stark wah­habitisch-salafistisch geprägt, was auf die Führung Bin Ladens und den starken Ein­fluss der Saud­is zurück­zuführen ist.

Im Dschi­had sieht die Ter­ro­ror­gan­i­sa­tion die einzige Möglichkeit, den Islam gegenüber ange­blich islam­feindlichen bzw. unis­lamis­chen Staat­en, Regierun­gen oder Reli­gion­s­ge­mein­schaften zu beschützen. Nach Ansicht der al-Qai­da wird der Islam von den west­lichen Staat­en unter­drückt. Vor allem die USA und der Staat Israel stellen eine Bedro­hung für die islamis­che Welt dar, so die Ter­ror­is­ten. Der zer­split­terte Islam in der ara­bis­chen Welt könne nicht geeint wer­den, solange der Staat Israel existiert und die west­lichen Staat­en weit­er­hin Ein­fluss auf die islamis­che Welt ausüben. Die al-Qai­da legit­imiert ihr gewalt­bere­ites Han­deln unmit­tel­bar mit den Lehren des Korans, wobei sie von ein­er Urform der heili­gen Schrift aus­ge­ht, die den Krieg gegen die Ungläu­bi­gen recht­fer­tigt und die Eini­gung aller Mus­lime vor­sieht. Neben dem Hass auf den West­en ist die al-Qai­da für ihren starken Anti­semitismus bekan­nt, der aus dem jahre­lan­gen Kampf gegen Israel resul­tiert.

Die Entwick­lung der al-Qai­da fand ihren Höhep­unkt in den Anschlä­gen auf das World Trade Cen­ter im Jahr 2001, denen mehr als 2700 Men­schen zum Opfer fie­len. Für den Grün­der und jahre­lan­gen Anführer der Ter­ro­ror­gan­i­sa­tion Osama Bin Laden gab es keine Zivilis­ten. Es gibt nur Gläu­bige und Ungläu­bige. Die Ungläu­bi­gen, also die Feinde, gilt es zu töten. Dies sei Pflicht eines jeden wahrhafti­gen Mus­lims. Die al-Qai­da wird von den Vere­in­ten Natio­nen, der Europäis­chen Union sowie zahlre­ichen Staat­en als Ter­ro­ror­gan­i­sa­tion eingestuft.

Islamischer Staat (IS)

Der Islamis­che Staat (ara­bisch: ad-daula al-islāmiyya), der bis 2014 Islamis­ch­er Staat im Irak und in Syrien (ISIS) genan­nt wurde, ist eine gewalt­tätige krim­inelle islamistis­che Organ­i­sa­tion, die zehn­tausende Mit­glieder mobil­isiert hat. Mit­tler­weile beherrscht der IS, der Angst und Schreck­en ver­bre­it­et, große Teile im Irak und in Syrien sowie einen kleineren Teil Lybi­ens. Der IS beteiligt sich in ara­bis­chen Krisen­ge­bi­eten an vie­len Bürg­erkriegen und ist unheim­lich erfol­gre­ich im Anwer­ben neuer Kämpfer (siehe dazu Islamis­mus im Inter­net).

Ent­standen ist die Organ­i­sa­tion im irakischen Wider­stand­skampf gegen die Besatzungsmächte und bekan­nte sich zunächst zur Ter­ro­ror­gan­i­sa­tion al-Qai­da, von der sie sich später aber wieder dis­tanzierte. Nach Ansicht des IS leben die Sun­niten immer noch unter ein­er Fremd­herrschaft und ver­fü­gen nicht über ein eigenes Staatswe­sen. Sie ver­weisen auf einen Satz des Propheten, in dem es heißt, ein Mus­lim müsse von einem Mus­lim regiert wer­den. Ziel des IS ist fol­glich die Bekämp­fung und Vertrei­bung der Fremd­herrschaft. Des Weit­eren ste­ht der IS für ein strik­tes Leben nach der Sharia, die wörtlich aus­gelegt wird. In den vom IS kon­trol­lierten Gebi­eten wurde die Sharia von den Ter­ror­is­ten einge­führt, die mas­siv in das pri­vate und gesellschaftliche Leben ein­greift. Mord, Verge­wal­ti­gun­gen und Folter sind Mit­tel, der­er sich der IS bedi­ent, um die Gesellschaft zu züchti­gen. Abwe­ich­ler, die sich an die von dem IS einge­führten Regeln nicht hal­ten, wer­den kurz­er­hand hin­gerichtet. Die Ter­ro­ror­gan­i­sa­tion ist für ihre Bru­tal­ität und Skru­pel­losigkeit bekan­nt. Hin­rich­tun­gen, die per Video aufgeze­ich­net wer­den und als Pro­pa­gan­da­ma­te­r­i­al dienen, ste­hen auf der Tage­sor­d­nung. Über­haupt set­zt der IS bei der Rekru­tierung neuer Mit­glieder auf die neuen Medi­en. Sie sind im Inter­net und auf Social-Media-Plat­tfor­men sehr präsent und wer­ben dort mas­siv für ihre Sache. Dem Ver­fas­sungss­chutz ist bekan­nt, dass auch deutsche Staats­bürg­er für den IS kämpfen. Die Behörde geht davon aus, dass sich bere­its etwa 550 „Krieger“ auf den Weg gemacht haben. Die Rück­kehrer stellen ein hohes Sicher­heit­srisiko dar. Es ist davon auszuge­hen, dass sie sich noch stärk­er radikalisiert haben und die Ver­bre­itung dieser Ide­olo­gie deshalb eine Gefahr für die frei­heitlich demokratis­che Grun­dord­nung darstellt. In Deutsch­land wird der IS von den Behör­den als ter­ror­is­tis­che Vere­ini­gung eingestuft. Die men­schen­ver­ach­t­ende Ter­rorvere­ini­gung hat in den von ihr verübten Gewalt­tat­en laut UN mit­tler­weile den Sta­tus von Völk­er­mord erre­icht.

Hisbollah

Die libane­sis­che His­bol­lah (ara­bisch: Hizb Allah, „Partei Gottes“) ist kurz nach der Islamis­chen Rev­o­lu­tion (1979) im Iran und während des libane­sis­chen Bürg­erkrieges (1975–1990) ent­standen. Sie wurde von schi­itis­chen Mus­li­men begrün­det, die seit dem 10. Jahrhun­dert auf dem Gebi­et des heuti­gen Libanon lebten. In den Anfangs­jahren ihrer Aktiv­itäten war die His­bol­lah eine Bewe­gung, die sich gegen die Benachteili­gung der Schi­iten im Libanon auflehnte. Im Jahr 1982 beset­zten die Israelis den Libanon, wobei etwa 30% des libane­sis­chen Staats­ge­bi­ets von Israel kon­trol­liert wur­den. Durch diese Besatzung entwick­elte sich die His­bol­lah zu ein­er anti­is­raelis­chen Frei­heits­be­we­gung. Bekan­nt wurde sie durch ihre bluti­gen Atten­tate. 1985 trat die Organ­i­sa­tion mit einem Man­i­fest an die Öffentlichkeit. Sie forderten einen islamis­chen Staat nach iranis­chem Vor­bild. Später etablierte sich die His­bol­lah als poli­tis­che Partei, die auch im Par­la­ment und Kabi­nett vertreten ist. Nach dem Bürg­erkrieg durfte die anti­is­raelis­che Partei ihr Waf­fe­narse­nal behal­ten. Auch als die Israelis im Jahr 2000 aus dem Libanon abzo­gen, behielt die His­bol­lah ihre Waf­fen. Die His­bol­lah hat im syrischen Bürg­erkrieg das Asad-Regime stark unter­stützt. Neben ihrer kriegerischen Tätigkeit unter­hält die Organ­i­sa­tion auch Ein­rich­tun­gen wie Kranken­häuser und Medi­en­anstal­ten.

Hauptziel der His­bol­lah bleibt jedoch der Kampf gegen den Staat Israel, den sie nicht anerken­nt und als Bedro­hung ansieht. Israel ste­ht in den Augen der His­bol­lah für west­lichen Impe­ri­al­is­mus, den es zu bekämpfen gilt.

Hamas

Die Hamas (ara­bisch: Ḥamās, „Eifer“) ist eine sun­ni­tisch-islamistis­che Organ­i­sa­tion aus Palästi­na. Ziel der Organ­i­sa­tion ist die Ver­nich­tung des Staates Israel und die Errich­tung eines islamis­chen Staates. Gegrün­det wurde die Hamas 1987 und entsprang einem Zweig der Mus­lim­brud­er­schaft. Sie beste­ht aus drei Grundpfeil­ern, den Qas­sam-Brigaden, ein­er poli­tis­chen Partei und einem Hil­f­swerk. Die Hamas ist für ihre Selb­st­mor­dat­ten­tate bekan­nt, die sich haupt­säch­lich gegen israelis­che Mil­itärs und Zivilis­ten richt­en. Seit 2006 ist die Hamas regierende Partei im Gaza­s­treifen.

Laut Grün­dungschar­ta der Hamas sei es die Pflicht eines jeden Mus­lims, für die Eroberung Israels zu kämpfen. Sie lehnt das Exis­ten­zrecht Israels ab. Die Hamas wird von vie­len Staat­en, wie den USA, Israel und der Europäis­chen Union als ter­ror­is­tis­che Vere­ini­gung eingestuft.

 

Ein Projekt der Jungen Journalisten Saar e.V.