Islamismus

Durch seine grausamen und gewalttätigen Taten zieht der Islamismus mehr Aufmerksamkeit auf sich, als der Islam als Religion selbst. Dabei ist die islamische Religion bereits vor vierzehn Jahrhunderten entstanden, während der Begriff Islamismus erst in den 1920er Jahren erschienen ist. Was aber ist Islamismus? Häufig bleibt unklar, was hiermit tatsächlich gemeint ist. Feststellend lässt sich sagen, dass es eine von allen Seiten akzeptierte Definition für den Begriff Islamismus nicht gibt.

Um den Begriff des Islamismus umfassend zu begreifen, muss man sich zunächst dem Begriff des Fundamentalismus widmen. Dieser Terminus entsprang den amerikanischen Protestanten in der Zeit nach dem ersten Weltkrieg, die sich für eine strikte Auslegung der Bibel nach dem Wortlaut der heiligen Schrift aussprachen. Die Anhänger des Protestantismus ließen keinerlei Spielraum in Bezug auf die Grundlagen ihrer Religion zu. So hielten sie etwa an der Schöpfungsgeschichte, wie sie wörtlich in der Bibel steht, fest. Moderne Überlegungen und Ansätze wurden rigoros abgelehnt. Man wollte zurück in den von Gott gegebenen Urzustand. Das moderne gesellschaftliche Leben und weltliche Erkenntnisse lehnten sie ab.

Diesen Ansatz der Fundamentalisten machten sich westliche Gelehrte zunutze und übertrugen ihn auf die besorgniserregenden Entwicklungen innerhalb des Islams in den 70er Jahren. So entstand der Begriff Islamismus. Mittlerweile wird dieser Begriff auch von den Islamisten selbst verwendet.

Nach Tilman Seidensticker handelt es sich beim Islamismus um „Bestrebungen zur Umgestaltung von Gesellschaft, Kultur, Staat oder Politik anhand von Werten und Normen, die als islamisch angesehen werden“.

Innerhalb des Islamismus kristallisieren sich unterschiedliche Strömungen heraus. Gemeinsam haben sie aber alle eins: den Missbrauch der islamischen Religion für ihre politischen Ziele und Zwecke. Hierbei unterscheidet sich die Wahl der Mittel zum Zweck verschiedener islamistischer Bewegungen voneinander.

Ziele und Ideologie

Der deutsche Soziologe und Politikwissenschaftler Prof. Dr. Armin Pfahl-Traughber nennt fünf wesentliche Merkmale, die den Islamismus auszeichnen:

  1. Die Verabsolutierung des Islam als Lebens- und Staatsordnung
  2. Der Vorrang der Gottes- vor der Volkssouveränität als Legitimationsbasis
  3. Die angestrebte vollkommene Durchdringung und Steuerung der Gesellschaft
  4. Die Forderung nach einer homogenen und identitären Sozialordnung im Namen des Islam
  5. Die Frontstellung gegen die Normen und Regeln des modernen demokratischen Verfassungsstaates

Islamismus ist also eine religiöse Form des politischen Extremismus. Das Rechtsverständnis der Islamisten unterscheidet sich wesentlich von unserem. Im Mittelpunkt steht das Göttliche, das Übermenschliche. Staat und Gesellschaft haben sich dem unterzuordnen. Die staatliche Souveränität lehnen sie vehement ab, denn allein Allah hat das Recht als Souverän aufzutreten. Die Islamisten zielen auf die Abschaffung der freiheitlich demokratischen Grundordnung ab. Gemeint sind damit die wichtigsten Werteprinzipien der Demokratie, wie etwa die im Grundgesetz normierten Menschenrechte, die Unabhängigkeit der Gerichte, das Recht auf Wahlen, das Verbot von Gewalt- und Willkürherrschaft. Abgelehnt werden ebenso die Trennung von Religion und Staat, die Gleichstellung von Mann und Frau sowie die religiöse und sexuelle Selbstbestimmung. Die Islamisten beanspruchen das islamische Recht, die Sharia, als einzige von Gott gegebene Ordnung. Da die Sharia in alle Lebensbereiche eingreift und diese regelt, bleibt kein Platz mehr für Demokratie. Um ihre Ziele und Vorstellungen durchzusetzen, wird von einem Teil der Islamisten Gewalt propagiert oder praktiziert. Immer wieder berichten Medien von menschenverachtenden Gewalttaten, verübt durch islamistische Fanatiker. Der feige Anschlag auf die Satirezeitschrift Charlie Hebdo oder der Anschlag im tunesischen Sousse sind aktuelle Beispiele für das perfide und von jeglicher Menschlichkeit verlassene Vorgehen der Terroristen.

Zwar ist nicht jeder Islamist als gewaltbereit einzustufen, aber der Islamismus kann Anreiz und Grundlage für Gewalttaten und Terroranschläge sein. Das Internet bietet den Extremisten eine hervorragende Plattform, ihr degeneriertes Gedankengut zu streuen und den Islamismus zu propagieren. Besonders junge Menschen sind Ziel dieser Propagandamaschinerie. Aus diesem Grund ist eine Unterscheidung zwischen gewaltbereiten und nicht-gewaltbereiten Islamisten nötig. Aufgabe der Behörden ist es, diese zu finden und mit den Mitteln der Rechtsstaatlichkeit zu bekämpfen. Allerdings geht die Gefahr nicht nur von der Gewaltbereitschaft aus, vielmehr stellt bereits die Ideologie eine Gefahr für die freiheitlich demokratische Grundordnung dar. Deshalb ist Aufklärung ein wichtiges Instrument zur Bekämpfung von radikal-islamistischen Gruppierungen. Besonders junge Menschen müssen vor der Propagandamaschinerie geschützt werden.

Ein Projekt der Jungen Journalisten Saar e.V.